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21. März 2019

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SHB Innovative Fondskonzepte GmbH & Co. Altersvorsorge KG - Altersvorsorge mit hohen Risiken

21.10.2014 – Seit 2013 mehren sich die Hiobsbotschaften für die Anleger des geschlossenen Dachfonds SHB Innovative Fondskonzepte GmbH & Co. Altersvorsorgefonds KG. Die betroffenen Anleger fürchten zu Recht den Eintritt von Kapitalverlusten. Wie viel des investierten Kapitals zukünftig an die Anleger zurückfließt, ist offen.

Der Dachfonds als vermeintliche Altersvorsorge

Der 2008 aufgelegte Dachfonds SHB Innovative Fondskonzepte GmbH & Co. Altersvorsorgefonds KG sah Investitionen in verschiedene Zielfondsgesellschaften vor, die ihrerseits in Immobilien investieren sollten. Einem Werbeprospekt der Fondsgesellschaft zufolge sollte es sich bei dem Beteiligungsangebot um eine „inflationsgeschützte Altersvorsorge“ handeln. Anleger konnten sich über verschiedene Beteiligungsmodelle namens „CLASSIC“, „CLEVERE KOMBI“, „RENDITEMAXX“, „IMMORENTE“ und „IMMORENTE Plus“ an dem Fonds beteiligen. Neben Einmaleinlagen bestand die Möglichkeit, einen Teil der Einlage in monatlichen Raten zu erbringen (IMMORENTE Plus). Je nach Art der Beteiligung wurden Ausschüttungen von 6 % oder mehr prognostiziert. Die geplanten Investitionen sollten sowohl durch Anlegerkapital als auch zu einem erheblichen Teil aus Bankkrediten finanziert werden.

Wenige Jahre nach der Schließung des Fonds scheint die vermeintliche Altersvorsorge mehr denn je in Frage gestellt. Zwar hat die Fondsgesellschaft nach eigenen Angaben in der Vergangenheit Beteiligungen in erheblichem Umfang an mehreren Zielgesellschaften erworben und dadurch mittelbar in Immobilien investiert; dies darf indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Investitionen auch durch Bankkredite finanziert wurden. Damit aber nicht genug: Im Januar 2013 wurde den betroffenen Anlegern von der neuen Geschäftsführung in Gestalt des Herrn Marc-Christian Schraut mitgeteilt, es gebe schlechte Nachrichten. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass erhebliche Mängel in der Konstruktion und geschäftlichen Führung zur aktuell schwierigen Situation geführt haben und dringender Handlungsbedarf bestehe. Der seinerzeitige Geschäftsführer Schraut spricht weiter von gravierenden Fehlentscheidungen der Vergangenheit und personellen Fehlbesetzungen, nicht ohne sich selbst mit Verweis auf und seine Verbindung zu den „erfolgreichen Immobilienunternehmern Stephan Schäfer und Jonas Köller“ als Problemlöser zu präsentieren.

Genutzt hat es dem Fonds offenbar nicht. Der vermeintliche Sanierer Schraut sitzt mittlerweile ebenso in Untersuchungshaft wie die vorgenannten Herren Schäfer und Köller, gegen die die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main wegen Betrugsdelikten ermittelt. Dem Halbjahresbericht der Fondsgesellschaft zum 31.07.2013 ist zu entnehmen, dass der Fondsgesellschaft durch Verfügungen der vormaligen Geschäftsführung liquide Mittel von rd. € 2,5 Mio. entzogen wurden. Noch immer scheint sich der Fonds in einer angespannten Liquiditätslage zu befinden. Fällige Auszahlungen aus gekündigten stillen Beteiligungen würden sich weiterhin verzögern. Wie sich der Fonds zukünftig entwickeln wird, steht in den Sternen. Einmal mehr zeigt sich, dass die lange als sicheres Investment angesehene Investition in Immobilienfonds bei Lichte betrachtet mit erheblichen Risiken behaftet sein kann.

Möglicher Ausweg für die Anleger: Schadenersatz geltend machen

Viele der betroffenen Anleger fragen sich zu Recht, was aus ihrem sicher geglaubten Investment geworden ist. In vielen Fällen wurden geschlossene Immobilienfonds in dem Glauben erworben, es handele sich um eine sichere Altersvorsorge. Aufgrund der unternehmerischen Risiken stellt ein geschlossener Immobilienfonds aber gerade keine sichere Altersvorsorge dar, sondern eine riskante Unternehmensbeteiligung.

Die betroffenen Anleger sollten nicht zögern und umgehend die Hilfe von spezialisierten Rechtsanwälten in Anspruch nehmen. In vielen Fällen wurden die Beteiligungen über sog. freie Anlageberater bzw. Beratungsunternehmen vermittelt. Freie Anlageberater sind ebenso wie Banken und Sparkassen verpflichtet, den Anlageinteressenten vor Vertragsschluss umfassend über die Risiken und die sonstigen beteiligungswesentlichen Aspekte einer Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds aufzuklären. Zu der geschuldeten Aufklärung gehören Hinweise sowohl auf schwankende Mieteinnahmen und Leerstände als auch auf Kapitalverluste und das Wiederaufleben der Haftung. In vielen Fällen ist darüber hinaus auch eine Aufklärung über die Vermittlungsprovisionen geschuldet, welche für die Vermittlung der Fondsbeteiligungen bezahlt wurden. Die Verletzung auch nur einer einzigen Aufklärungspflicht berechtigt zum Schadenersatz und damit zur Rückabwicklung der Fondsbeteiligung.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Dr. Steinhübel