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25. Juni 2019

Reefer-Flottenfonds I und II: Nur Reefer liegt schiefer, oder?

19.06.2012 – Zwei Flottenfonds mit jeweils 14 Kühlschiffen tauen ab. Zusätzlich mischen nun die Containerschiffe die Szene auf und heizen den Kühlschiffen ordentlich ein. Cool sieht jedenfalls anders aus.

Reefer-Flottenfonds I und II

Beide Flottenfonds investieren in konventionelle Kühlschiffe mit einer Größe von 371.412 bis 626.011 cbft. (Kubikfuß). Alle 28 Schiffe fahren von Beginn an im sog. Seatrade Reefer Pool. Zwischenzeitlich sind die Mindestpoolgarantien ausgelaufen. Die Einnahmen aus dem Pool sind seither marktabhängig und liegen deutlich unter den Prospektwerten. Anleger beider Flottenfonds haben daher alles andere als fürstliche Ausschüttungen erhalten.

Not macht erfinderisch

Gerade im letzten Quartal 2011 sowie Anfang 2012 zeichnete sich das Marktumfeld für konventionelle Kühlschiffe deutlich schwächer ab als erwartet. Hintergrund hierfür ist u.a. die andauernde Krise in der Containerschifffahrt. Um diese ein wenig abzufedern, bieten Containerschiffe zunehmend selbst den Transport von Kühlgütern mittels sog. Kühlcontainer an und machen den klassischen Kühlschiffen hierdurch Marktanteile streitig. Die Konsequenz liegt offen auf der Hand, es können nicht mehr die erforderlichen Raten pro cbft und Monat erwirtschaftet werden, was sich wiederum schwerwiegend auf die ohnehin schon äußert empfindlichen Ergebnisprognosen beider Flottenfonds auswirkt. Da sich der Markt weiterhin in Richtung Kühlcontainer entwickelt, werden v.a. ältere Kühlschiffe damit vor ein grundlegendes Problem gestellt. Das gelbe Telefonhäuschen lässt grüßen…

Alles auf eine Karte

Gerade diese Problematik zeichnet sich bei beiden Reefer-Flottenfonds ab, da sie ausschließlich in Kühlschiffe investieren und somit der für Anleger so wichtigen Risikostreuung den Rücken kehren. Verschärfend kommt hinzu, dass es sich bei den allermeisten Kühlschiffen beider Flottenfonds um sehr alte Jahrgänge handelt. Das jüngste Schiff des Reefer-Flottenfonds II stammt aus dem Jahre 1994.

Die aktuelle Entwicklung des Reefer-Flottenfonds I ist jedenfalls besorgniserregend. Der Treuhänder TVP stellt in seinem aktuellen Bericht selbst klar, dass die Erlöse für das Jahr 2012 nicht ausreichen werden, um die Tilgungsleistung von US-$ 23,98 Mio. in voller Höhe zu erbringen. Fraglich ist nur, ob die kreditfinanzierende Bank dies so anstandslos hinnehmen wird. Zu oft kann man in letzter Zeit beobachten, wie sog. Betriebsfortführungskonzepte auf Kosten der Anleger regelrecht erzwungen werden müssen, weil die Banken sonst die Reißleine ziehen. Dieses Szenario sollten auch die Anleger des Reefer-Flottenfonds I im Auge behalten, v.a. wegen der Gefahr der fehlenden Anschlussfinanzierung in 2 Jahren.

Zwar dürfte der Reefer-Flottenfonds II ein wenig besser dastehen als sein Vorgänger, allerdings geht die geplante „Turbo-Entschuldung“ bis 2014 gänzlich zu Lasten der Anleger. Diese haben bis heute gerade einmal 10 % an Ausschüttungen anstelle der prospektierten 39 % erhalten. Wie und ob dieser Flottenfonds nach 2014 wirtschaftet, ist völlig offen.

Ausschüttungen dürften bei beiden Flottenfonds damit auch in Zukunft ausbleiben. 

Selbst ist der Anleger

Anleger sollten sich jedenfalls fragen, welches Ziel sie ursprünglich mit ihren Fondsbeteiligungen verfolgt haben und wo sie jetzt stehen. Die Emissionsprospekte kommen hierbei Gutenachtgeschichten gleich. Nach Einschätzungen der auf das Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Anlegerschutzkanzlei Dr. Steinhübel Rechtsanwälte haben betroffene Anleger allerdings gute Chancen, sich von ihrem Investment zu lösen. Eine unterlassene Aufklärung über die mit einer solchen Schiffsfondsbeteiligung einhergehenden Risiken oder die der beratenden Bank zugeflossenen Rückvergütungen („Kick-Backs“) löst Schadensersatzansprüche aus, die wiederum zur Rückabwicklung der Fondsanteile berechtigen.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Dr. Steinhübel