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21. Januar 2019

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MPC Holland Immobilienfonds 53 ist akut insolvenzbedroht - Anleger sollen zahlen

26.09.2014 – Der Immobilienfonds MPC Holland 53 ist derzeit offenbar von der Insolvenz bedroht. Die Anleger werden aktuell aufgefordert, im Zuge der geplanten Abwicklung des Fonds einen  Großteil der erhaltenen Ausschüttungen zurückzuzahlen.

Abwicklung des Fonds

Der 2004 aufgelegte Immobilienfonds MPC Holland 53 investierte in drei holländische Gewerbeimmobilien, von denen zwei Objekte seit geraumer Zeit nicht mehr vermietet sind. Nach einer aktuellen Meldung des Magazins FONDS professionell soll der Wert der Immobilien mittlerweile erheblich hinter den bestehenden Darlehensverbindlichkeiten des Fonds zurückbleiben. Schon 2013 wurde versucht, den Fonds durch einen Restrukturierungsversuch zu retten. Jetzt soll der Immobilienfonds MPC Holland 53 endgültig abgewickelt werden. Dem Vernehmen nach sind die Anleger in diesem Zusammenhang aufgefordert, einen Großteil (80 %) der in der Vergangenheit erhaltenen Ausschüttungen zurückzuzahlen. Für diesen Fall seien die involvierten Banken bereit, auf die verbleibenden Ausschüttungsbeträge zu verzichten. Damit dürfte der 2013 gestartete Versuch einer Sanierung des Immobilienfonds MPC Holland 53 endgültig gescheitert sein. Einmal mehr zeigt sich, dass die lange als sicheres Investment angesehene Investition in gewerblich genutzte Immobilien den Anlegern am Ende doch nur große Kapitalverluste beschert.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Die betroffenen Anleger stehen aktuell vor der Entscheidung, einen Großteil der in der Vergangenheit von der Fondsgesellschaft ausgezahlten Ausschüttungen freiwillig zurückzuzahlen oder eine unmittelbare Inanspruchnahme durch die Gläubiger des Fonds zu riskieren. Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, wenn und soweit die in der Vergangenheit gezahlten Ausschüttungen nicht durch entsprechende Gewinne unterlegt waren. Dem Vernehmen nach sollen die Ausschüttungen insgesamt nicht gewinngedeckt gewesen sein. Sollte der Fonds in Insolvenz fallen, dürfte es ganz sicher zu einer Inanspruchnahme der Anleger durch den Insolvenzverwalter kommen.

Letzter Ausweg: Schadenersatz geltend machen

Viele der betroffenen Anleger fragen sich zu Recht, was aus ihrem sicher geglaubten Investment geworden ist. In vielen Fällen wurden geschlossene Immobilienfonds in dem Glauben erworben, es handele sich um eine sichere Altersvorsorge. Aufgrund der unternehmerischen Risiken stellt ein geschlossener Immobilienfonds aber gerade keine sichere Altersvorsorge dar, sondern eine riskante Geldanlage.
Die betroffenen Anleger sollten jetzt nicht länger zögern und umgehend die Hilfe von spezialisierten Rechtsanwälten in Anspruch nehmen. In vielen Fällen wurden die Beteiligungen über Banken und Sparkassen, aber auch über sog. freie Anlageberater bzw. Beratungsunternehmen vermittelt. Banken, Sparkassen und freie Anlageberater sind verpflichtet, den Anlageinteressenten vor Vertragsschluss umfassend über die Risiken und die sonstigen beteiligungswesentlichen Aspekte einer Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds aufzuklären. Zu der geschuldeten Aufklärung gehören Hinweise sowohl auf schwankende Mieteinnahmen und Leerstände als auch auf Kapitalverluste und das Wiederaufleben der Haftung. In vielen Fällen ist darüber hinaus auch eine Aufklärung über die Vermittlungsprovisionen geschuldet, welche für die Vermittlung der Fondsbeteiligungen bezahlt werden. Die Verletzung auch nur einer einzigen Aufklärungspflicht berechtigt zum Schadenersatz und damit zur Rückabwicklung der Fondsbeteiligung.

Verjährung von Schadenersatzansprüchen droht

Die Anleger des Immobilienfonds MPC Holland 53 sollten jetzt keine Zeit mehr verlieren, da in vielen Fällen aktuell die Verjährung von Schadenersatzansprüchen droht. Spätestens 10 Jahre nach dem Erwerb der Fondsbeteiligung tritt endgültig die Verjährung ein. Da der Fonds 2004 platziert wurde, bleibt den Betroffenen im Zweifel nur noch sehr wenig Zeit zum Handeln, ehe es zu spät ist.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Dr. Steinhübel

MPC Holland Immobilienfonds - risikoreiche Beteiligungen statt sicher geglaubter Altersvorsorge

15.11.2012 - Das Hamburger Emissionshaus MPC Münchmeyer Petersen Capital AG erzeugt derzeit vor allem wegen seiner bislang als sicher geglaubten Schiffsfonds negative Schlagzeilen. Doch auch im Bereich geschlossener Immobilienfonds bietet das Emissionshaus MPC seit Mitte der 90er Jahre Kapitalanlagen an, die nicht immer die Erwartungen der Anleger erfüllen.

Investitionen in den Standort Holland

Gut 50 geschlossene Immobilienfonds mit Investitionen in niederländische Gewerbe- und Büroimmobilien hat das Emissionshaus MPC zwischen 1995 und 2011 aufgelegt und über Banken sowie freie Anlageberater platziert. Niedrige Steuersätze und ein zeitweise guter Wirtschaftsstandort waren schlagende Argumente, von denen sich viele Privatanleger überzeugen ließen. Auch andere Emissionshäuser haben diesen Markt für eigene Anlageprodukte entdeckt. Nicht immer haben sich die Erwartungen im Sinne der Anleger erfüllt. Mittlerweile sind die Probleme auf dem niederländischen Gewerbeimmobilienmarkt nicht mehr zu übersehen, zudem hat sich die Steuergesetzgebung zum Nachteil der Anleger geändert. Die Konsequenzen bekommen die Anleger früher oder später zu spüren.

Steigende Leerstände und sinkende Immobilienpreise

Betroffen sind beispielsweise die Anleger der 47. Sachwert Rendite-Fonds Holland GmbH & Co. KG (MPC Hollandfonds 47), in welche Anlegergelder in Höhe von rd. € 47 Mio. geflossen sind haben. Hinzu kommen Bankkredite im Umfang von rd. € 54 Mio. Für beide Fondsimmobilien müssen bis Mitte 2013 neue Mieter gefunden werden, was wohl schwierig werden dürfte. Der Branchendienst fondstelegramm soll Berichten zufolge im Umfeld der Fondsimmobilien erhebliche Leerstandsquoten von bis zu 25 % ermittelt haben. Die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien ist also rückläufig. Insoweit darf bezweifelt werden, dass es der Fondsgeschäftsführung gelingen wird, adäquate Mietpreise gegenüber potenziellen Interessenten durchzusetzen. Bei den betroffenen Anlegern ist der Abwärtstrend längst angekommen: Nach der aktuellen Leistungsbilanz des Emissionshauses MPC ist derzeit nicht geplant, an die Anleger des Fonds für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 eine Ausschüttung zu leisten. Kommt eine Anschlussvermietung nicht zeitnah zum Auslaufen der aktuellen Mietverträge zustande, droht dem Fonds die Zahlungsunfähigkeit, was den betroffenen Anlegern einen sicheren Verlust ihrer Einlagen bescheren dürfte. Der Fonds ist nicht der einzige aus der Serie der Sachwert Rendite-Fonds von MPC, der nicht die Erwartungen der Anleger erfüllt. So soll sich mittlerweile auch die 43. MPC Sachwert Rendite-Fonds Holland GmbH & Co. KG (MPC Hollandfonds 43) in einer veritablen Krise befinden und von der Insolvenz bedroht sein.

Immobilienfonds sind Risikoanlagen

Immer wieder werden Beteiligungen an geschlossenen Immobilienfonds auch dann empfohlen, wenn Anlageinteressenten den Wunsch nach einer Geldanlage zur sicheren Altersvorsorge äußern. Als unternehmerische Beteiligung mit hohen Risiken stellen Immobilienfonds aber keine sichere Kapitalanlage dar, sondern unternehmerische Beteiligungen, denen das Risiko des Totalverlustes der Einlage anhaftet. Es besteht zudem die Gefahr, erhaltene Ausschüttungen an die Fondsgesellschaft oder deren Gläubiger – in erster Linie die finanzierenden Bank – erstatten zu müssen, wenn und soweit die Ausschüttungen nicht durch Gewinne gedeckt sind.

Fehlberatung löst Schadenersatzansprüche aus

Anleger, die nicht über die hier beschriebenen Risiken einer Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds aufgeklärt wurden, können Schadenersatzansprüche gegen den Berater bzw. das beratende Unternehmen geltend machen. Erfolgte die Beratung und Empfehlung zum Erwerb des Immobilienfondsbeteiligung durch eine Bank, muss diese den Anlageinteressenten zudem in aller Regel ungefragt über ihre Vergütungen (sog. Rückvergütungen bzw. Kick-Back-Zahlungen) aufklären, die ihr durch die Vermittlung der Beteiligung zufließen. Allein die Verletzung dieser Aufklärungspflicht genügt nach der ganz eindeutigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Begründung eines Anspruchs auf Schadenersatz. Die Durchsetzung derartiger Ansprüche wird durch diese ausgesprochen anlegerfreundliche Rechtsprechung enorm erleichtert, da regelmäßig auch die Verkaufsunterlagen der Emissionsgesellschaften keine ausreichenden Hinweise auf die Rückvergütungen der beratenden Banken enthalten. Den Betroffenen wird empfohlen, eine Überprüfung rechtlicher Möglichkeiten zur Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen durch versierte und auf das Kapitalanlagerecht spezialisierte Rechtsanwälte vornehmen zu lassen.

Verjährung führt zum Verlust von Ansprüchen

Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung verjähren spätestens 10 Jahre nach der Beratung. Nach Eintritt der Verjährung sind berechtigte Ansprüche nicht mehr durchsetzbar. Betroffene Anleger sollten daher zeitnah eine Überprüfung ihrer rechtlichen Möglichkeiten in Angriff nehmen, um keine rechtlichen Nachteile durch Verjährung zu riskieren.

Ihre Ansprechpartner: Rechtsanwalt Dr. Steinhübel