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16. Dezember 2017

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Lebensversicherungsfonds: Unsichere Geschäfte mit dem Tod!

Auf dem deutschen Markt gibt es seit rund 10 Jahren Lebensversicherungsfonds, die in deutsche, britische oder US-amerikanische Lebensversicherungen investieren. Diese wurden oftmals als sichere Anlagen zur Altersvorsorge vertrieben. Die Realität sieht jedoch anders aus, denn Lebensversicherungsfonds sind mit erheblichen Risiken behaftet und befinden sich vielfach in wirtschaftlicher Schieflage.

Funktionsweise von Lebensversicherungsfonds

Lebensversicherungsfonds erwerben bestehende Lebens- oder Rentenversicherungen. Trotz der Veräußerung bleibt die versicherte Person identisch. Für den veräußernden Versicherungsnehmer ist der Verkauf wirtschaftlich günstiger als die Vertragskündigung. Er erhält einen Verkaufspreis, der über dem Rückkaufswert der Versicherung im Falle der Kündigung liegt. Umgekehrt bezahlt der Lebensversicherungsfonds als Erwerber einen Kaufpreis, der unter dem kalkulierten Wert der Lebensversicherung liegt. Die Fondsgesellschaft bezahlt nach dem Erwerb die Versicherungsprämien bis zum Todesfall bzw. zur Fälligkeit der Police und erhält dann die Versicherungssumme.

Wirtschaftliche Probleme

Die Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme der Lebensversicherungsfonds sind vielfältig, dennoch lassen sich Hauptursachen herausstellen. Die Finanzkrise ab dem Jahr 2007 hat zu großen Problemen für deutsche und britische Lebensversicherungsfonds geführt. Bei den deutschen Lebensversicherungsfonds hat sie zur Folge, dass Überschussbeteiligungen und Schlussgewinnanteile geringer als prognostiziert ausfallen. Demgegenüber wirkt sich die Finanzkrise durch die schlechte Entwicklung der Aktienmärkte auf die britischen Lebensversicherungsfonds aus, da britische Lebensversicherer stark in Aktien investiert sind. Bei den US-amerikanischen Lebensversicherungsfonds hängt die Rendite weitgehend von der Lebenserwartung der Versicherten ab (letztlich „Wette auf den Tod“). Allerdings verwendeten die Fondsgesellschaften vielfach veraltete Sterbetafeln, so dass die höhere Lebenserwartung der Versicherten zu einer niedrigeren Rendite führte.

Schadensersatzansprüche bei fehlerhafter Beratung

Betroffene Anleger von Lebensversicherungsfonds sind jedoch nicht rechtlos gestellt. Nach Einschätzung der auf das Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Anlegerschutzkanzlei Dr. Steinhübel Rechtsanwälte haben Anleger gute Chancen, Schadensersatzansprüche gegen die beratende Bank bzw. das Beratungsunternehmen, das ihnen die Fondsbeteiligung vermittelt hat, durchzusetzen. Banken und Anlageberater, die bei der Vermittlung der Fondsbeteiligungen gegen die Pflicht zur vollständigen und richtigen Aufklärung verstoßen, schulden den Ersatz des entstandenen Schadens. Geschädigte Anleger können so ihre Fondsbeteiligung rückabwickeln.

Beratungspflichten der Banken und Anlageberater

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) umfassen die Beratungspflichten neben den Hinweisen auf einschlägige Risiken (Kapitalverlustrisiko, einschränkte Veräußerbarkeit, keine garantierte Mindestverzinsung, untaugliche Sterbetafeln u.a.) insbesondere die Aufklärung über die Rückvergütungen (sog. Kick-Back-Zahlungen), welche die Bank bzw. der Berater für die Vermittlung der Beteiligung an den Lebensversicherungsfonds erhalten hat.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Schönfleisch und Rechtsanwalt Hornung